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Das Buch "Über den Umgang mit Menschen" von Adolph Freiherr von Knigge ist heute noch ein vielzitierter Klassiker, wenn es um Anstand und höfliche Umgangsformen geht. Wer geht zuerst die Treppe hoch? Wer reicht wem zuerst die Hand? Von Business bis Party immer einen guten Eindruck hinterlassen - so einfach kann das sein! Stöbern Sie durch unsere interessanten und manchmal auch überraschenden Knigge-Tipps - hätten Sie´s gewusst ..? |
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Knigge-Tipp Nr. 1
"Leben Sie In-takt?" An der Kasse im Supermarkt hat sich eine Schlange gebildet. Ein junger Mann, Anfang Dreißig, drängt sich nach vorne. Im abendlichen Pendlerverkehr am Hauptbahnhof wartet eine junge Mutter vergeblich auf Hilfe. Schließlich trägt sie den Kinderwagen mit dem Baby alleine die Treppe hinauf. Auf der zweispurigen Schnellstraße staut sich der Verkehr. Aufgrund von Bauarbeiten müssen alle Autos auf die rechte Spur einfädeln. Etliche Autos nutzen die Überholspur, um sich - an der Schlange vorbei - möglichst weit nach vorne zu mogeln. Drei alltägliche Beispiele, drei Gelegenheiten, um gute Umgangsformen und Höflichkeit zu beweisen. Keiner wartet gerne im Stau oder an der Kasse, und dennoch ist Geduld gefragt. Und sollten Sie in einer Notsituation doch mal schneller durch die Kasse müssen: Fragen Sie Ihren Vordermann oder Ihre Vorderfrau freundlich um Erlaubnis. Auch die Mutter mit ihrem Kinderwagen freut sich über eine praktische Handreichung. 30 Sekunden, die ermutigen - vor allem dann, wenn eigentlich niemand "Zeit hat" und jeder schnell nach Hause will. Gute Umgangsformen entwickeln sich nicht von allein. Sie erfordern Fingerspitzengefühl und eine gezielte Beobachtung: Wo befinde ich mich? Wer ist mein Gegenüber? Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie als Privatmann oder als Geschäftsfrau auftreten. Ob zu Hause oder im Büro - beide Umgebungen fordern Ihr Einfühlungsvermögen. Wer sich daheim "gehen lässt" und nur auf den eigenen Vorteil achtet, wird auch im Büro Mühe haben, bei den Kollegen und Kunden anzukommen. Wer nur als Mittel zum Zweck freundlich ist, wird von seiner Umwelt schnell durchschaut und entsprechend disqualifiziert. Versuchen Sie einmal, nicht nur Ihren Vorteil zu sehen und Ihre Wünsche durchzusetzen. Unsere Gesellschaft kann auf Dauer nur im gegenseitigen Nehmen und Geben funktionieren. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber Ihr Verständnis und signalisieren Sie ihm Hilfsbereitschaft, wenn es die Situation erfordert. Und bitte versuchen Sie auch mit unbequemen Zeitgenossen höflich umzugehen. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 2
"Ihr erster Eindruck" Der erste Eindruck, den wir von einem fremden Menschen gewinnen, wird innerhalb weniger Sekunden von Bekleidung, Körperhaltung und Gestik geprägt. Die Entscheidung, ob wir jemanden als sympathisch oder unsympathisch empfinden, wird in Sekundenbruchteilen getroffen - und vor allem unbewusst. Dabei werden die realen Beobachtungen mit unseren subjektiven Empfindungen vermischt. Häufig müssen wir unseren ersten Eindruck später wieder revidieren müssen- ein Vorgang, der uns nicht immer leicht fällt. Die gleichen Erfahrungen machen täglich auch andere Menschen mit uns. Wenn ich die Straßenbahn betrete, werde ich gemustert. Wenn ich den Friseursalon besuche, werde ich beurteilt. Und wenn ich mich bei einer neuen Firma vorstelle, werde ich eingeschätzt. Es gibt Klischees und Erwartungshaltungen - in Bezug auf mein Geschlecht, meinen Beruf, meine Sprache und mein Aussehen. Und ich kann entscheiden, inwieweit ich mich in diese Schablonen einfüge oder ganz bewusst gegensteuere. Wenn ich allerdings im beruflichen Bereich Erfolg haben will, empfiehlt es sich, auf ein stimmiges Erscheinungsbild zu achten: Ein Bankkaufmann im schrillen Hawaihemd verunsichert den Kunden; ein Immobilienkaufmann hat mit Ausdr�cken wie "Scharfes Haus, Mords-Rendite" wohl kaum Erfolg. Beim ersten Eindruck spielt auch die k�rperliche Entfernung vom Gegen�ber eine große Rolle. Dabei unterscheidet man drei Distanzbereiche: 1. Die intime Distanzzone ist der Bereich bis zu einem halben Meter. Sie ist nur Familienmitgliedern und guten Freunden vorbehalten. Im Berufsleben und im öffentlichen Alltag ist dieser Bereich absolut tabu. Sonst geraten Sie in Gefahr, dass Sie von Ihrem Gegenüber abgelehnt werden. Auch nach der ersten Begegnung sollten Sie darauf achten, dass Sie dem anderen immer einen "Ausweg" offen lassen. Drängen Sie im Gespräch niemanden an die Wand, indem Sie wild gestikulierend auf sie oder ihn einreden und dabei die Distanzzone verletzen. 2. In der persönlichen Distanzzone finden Begrüßung und Verabschiedung statt. Sie reicht von 50 cm bis zu einem Meter. Falls im Gespräch die Distanz verringert wird, reagieren wir und auch unser Gegenüber automatisch mit einem Schritt nach hinten, um den Abstand wiederherzustellen. 3. Der dritte Bereich ist die gesellschaftliche Distanzzone; sie beginnt zwischen einem und zwei Metern. Im beruflichen Bereich wird sie oft durch einen Schreibtisch oder eine Theke abgegrenzt. Wenn Sie diese drei Distanzbereiche bewusst beachten, können Sie damit besser auf Ihre Kunden und Besucher eingehen. Und wenn Sie bei einem Besucher um Ihren Schreibtisch herum- und ihm entgegengehen, signalisieren Sie damit ohne Worte, dass Sie eine angenehme Gesprächsatmosphäre ohne Hindernisse herstellen wollen. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 3
"Die freundliche Begrüßung" Den Unterschied zwischen Stadt und Land erkennt man am deutlichsten an der Frage des Grüßens. Während sich in der ländlichen 300-Seelen-Gemeinde noch viele auf der Straße ein nettes "Moin" oder "Grüß Gott" zurufen, geht man in Düsseldorf und München meist wortlos aneinander vorüber. Natürlich hätte man viel zu tun, wenn man auf der Kö oder der Maximilianstraße jeden grüßen wollte. Doch auch hier gilt die einfachste Regel der Höflichkeit: Sobald man in einen überschaubaren Raum eintritt oder eine Gruppe antrifft, sollte man grüßen. Auch wenn Sie einen Laden oder ein Wartezimmer betreten, gilt die Grundregel, dass der Eintretende zuerst grüßt. Sollten Sie hinter dem Tresen oder der Theke sein, und der Kunde oder Patient grüßt nicht, werden Sie als Mensch mit Stil sicher die Regel übergehen und den Eintretenden freundlich willkommen heißen. Auch beim Einsteigen in den Bus oder ein Flugzeug liegt es an Ihnen, den Fahrer oder die Flugbegleiterin zu grüßen. Das gleiche gilt im Zug, wenn Sie das Abteil betreten, oder auch im Theater und Kino. Es ist einfach höflich, wenn Sie Ihrem Sitznachbarn einen "Guten Tag" wünschen. Auch im beruflichen Alltag - auf dem Flur oder im Fahrstuhl - ist ein freundliches "Guten Morgen" angebracht. Mit diesen einfachen Worten sorgen Sie für eine spürbare Verbesserung des Betriebsklimas, selbst wenn andere Ihren Gruß nicht erwidern oder muffelig reagieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie den Kollegen oder Fremden kennen. Ein netter Gruß ist nie verkehrt, es sei denn, man begegnet sich innerhalb kurzer Zeit mehrfach. Dann reicht auch ein freundliches Zunicken oder ein sympathischer Blick. Link zu Tipp 4: Wer grüßt wen? © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 4
"Wer grüßt wen?" Im gesellschaftlichen Miteinander gilt immer noch die alte Regel: * Der Mann grüßt zuerst die Dame * Der Jüngere den Älteren * Der Einzelne die Gruppe Im beruflichen Alltag gilt außerdem die Regel: * Der Rangniedere grüßt zuerst den Ranghöheren. Als kluger Chef sollten Sie diese Regel auflockern und Ihren Mitarbeiter grüßen, wenn Sie ihn zuerst sehen. Diese Variante "wer den anderen zuerst sieht, grüßt" setzt sich auch im Privatleben durch. Bedenken Sie nur, dass Sie als Dame, als Älterer oder als Vorgesetzter jederzeit die Regeln aufheben, also zuerst grüßen dürfen. Gute Umgangsformen haben heißt: die Spielregeln kennen, aber nicht unbedingt darauf bestehen. Nach diesen grundsätzlichen Regeln nun noch einige Bemerkung zum Händeschütteln. Hier ist die Reihenfolge umgekehrt: Wer begrüßt wird, reicht zuerst die Hand. Er kann es aber auch sein lassen - das ist ganz allein seine Entscheidung. Beispiel: Sie grüßen Ihren Chef. Er erwidert den Gruß und entscheidet, ob er Ihnen die Hand reicht oder nicht. Beide Varianten sind weder unhöflich noch besonders höflich. Dies gilt auch, wenn Sie als Mann eine Frau begrüßen. Auch hier liegt es an der Dame, ob sie Ihnen die Hand reicht oder nur verbal grüßt. Wenn sich zwei Paare begrüßen, gibt es oft ein peinliches Durcheinander, vor allem dann, wenn sich die Hände überkreuzen. Deshalb gilt auch hier die einfache Spielregel: Zuerst reichen sich die Frauen die Hand, dann die Frau dem Mann und schließlich die Männer. Und damit die ganze Begrüßung stilgerecht abläuft, sollte die Frau rechts vom Mann stehen - also an seiner "Ehrenseite". Für alle Geschichtskundigen ist das ein Überbleibsel aus der "guten alten Ritterzeit". Damals trug der wackere Rittersmann links sein Schwert, das er bei Gefahr schnell mit der rechten Hand ziehen konnte. Um das Burgfräulein besser zu schützen, ging die Dame auf der rechten Seite und kam so auch mit seiner Waffe nicht in Berührung. Außerdem signalisierte Kunibert mit der offenen rechten Hand seine Friedfertigkeit. Er bekundete mit seinem Handschlag seine freundliche Absicht zu seinem gegenüberstehenden Rittersmann. Wurde die Hand dagegen ausgeschlagen, führte dies zum kämpferischen Duell. Auch wenn man sich heute nicht mehr mit Säbel und Schwert bekämpft, gilt es immer noch als Fauxpas, wenn man eine ausgestreckte Hand nicht ergreift. Und selbst wenn der Herr von gegenüber als erster Ihre zarte Hand ergreift, sollten Sie "damenhaft" nicht den Händedruck verweigern. Genauso stillos wäre ein belehrendes "Das gehört sich aber nicht". Echte Lebensart drückt sich auch darin aus, dass "frau" und auch man(n) schweigt, obwohl sie oder er es besser weiß. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 5
"Darf ich mich vorstellen?" Das offizielle Vorstellen gibt es heute kaum noch, außer bei Staatsempfängen oder im geschäftlichen Bereich. Dieser förmliche Akt wird außerdem noch bei Kongressen praktiziert, wenn der Redner dem Publikum vor-gestellt wird oder wenn bei einem offiziellen Empfang die Gäste dem Gastgeber vorgestellt werden. Im Privatleben und im beruflichen Alltag macht man sich dagegen bekannt oder wird miteinander bekannt gemacht. Dieses Bekanntmachen sollte möglichst natürlich ablaufen. Die alten Floskeln "Darf ich vorstellen?" oder "Gestatten Sie, mein Name ist..." sind nicht mehr zeitgemäß. Sagen Sie ganz einfach: "Guten Tag, ich bin Peter Albrecht" oder "Das ist meine Frau Claudia". Als Antwort können Sie erwidern "Guten Abend, Frau Albrecht" oder "Herzlich Willkommen, Herr Albrecht". Diese neutralen Formulierungen wirken nicht so gestelzt wie "Angenehm, Meier" oder "Sehr erfreut". Und bitte denken Sie daran, Ihren Ehepartner nicht als "Gemahlin" oder "Gatten" bekanntzumachen. Tipp Nr. 6: Machen Sie sich bekannt Tipp Nr. 7: Worstellen leicht gemacht Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter Wer grüßt wen?">www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 6
"Machen Sie sich bekannt" Beim Bekanntmachen gibt es eine Grundregel: Der "König", also der Ranghöhere erfährt zuerst die "frohe Kunde", das heißt den Namen des "Rangniederen". Der "König" bzw. die "Königin" sind beim Bekanntmachen im Privatleben immer * ältere Menschen * Frauen "Opa, das ist der Nachhilfelehrer von Tobias, Herr Schuster." "Herr Schuster, das ist mein Großvater, Herr Prick." Im beruflichen Leben haben Vorrang: * Vorgesetzte * Kunden Hier spielen Geschlecht und Alter keine Rolle. Im Zeitalter der Gleichberechtigung gibt es auch genügend Abteilungsleiterinnen und junge Chefs. Hier zählt auch heute noch ausschließlich der Rang. Also: "Herr (Direktor) Hofmann, das ist unsere neue Buchhalterin, Frau Zehner." - "Frau Zehner, das ist der Vorstand unseres Unternehmens, Herr Hofmann." Ob Direktor Hofmann dabei die Hand reicht, ist seine Entscheidung. Aber als herzliche Geste wird er es sicherlich tun. Tipp Nr. 7: Vorstellen leicht gemacht Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 7
"Vorstellen leicht gemacht" Bei Partys oder Geburtstagsfeiern sollten Sie als Gastgeber mit den hinzukommenden Gästen "die Runde drehen", d.h. Ihre Gäste miteinander bekanntmachen. Bei größeren Feierlichkeiten ist dies meist nicht praktikabel. Von daher müssen Sie sich selbst vorstellen. Und damit sich Ihr Gegenüber leichter Ihren Namen einprägen kann, sollten Sie sich die Mühe machen, langsam und deutlich zu sprechen: "Guten Abend, ich heiße..." Natürlich mit Ihrem Vor- und Nachnamen. Die oft verwendeten Kurzformen "Ich bin Frau Fluck" oder "Thiel, angenehm" sollten Sie sich lieber abgewöhnen. Schließlich will man auch Ihren Vornamen erfahren. Vor allem dann, wenn es noch andere Zeitgenossen mit dem gleichen Nachnamen gibt. Je nach Anlaß sollten Sie noch einige Zusatzinformationen anfügen, damit sich Ihr Gegenüber leichter den Namen merken kann. Zum Beispiel "Guten Tag, ich bin Jürgen Meyer. Ich bin mit ... (dem Gastgeber) im Reitverein." Oder "Ich bin der neue Buchhalter" oder "Ich bin der Nachbar". Übrigens können Sie ohne weiters nachfragen, wenn Sie den Namen nicht richtig verstanden haben. Lieber gleich fragen, als nach einer halbstündigen Unterhaltung "Wie war doch noch der Name?" - zumal "war" auf einen überraschenden Todesfall hindeuten könnte. Besser ist es, wenn Sie sich kurz entschuldigen "Verzeihung, würden Sie bitte Ihren Namen wiederholen. Ich habe ihn leider nicht richtig verstanden." Damit signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, daß Sie Interesse an ihm haben. Sie möchten ihn gerne "persönlich", also mit seinem Namen ansprechen. Als kleine Gedächtnisstütze ist es sicher hilfreich, wenn Sie beim Bekanntmachen direkt den Namen Ihres Gesprächspartners wiederholen. "Guten Abend, Frau Rabel. Ich bin ..." Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 8
"Die Kunst des Small-Talks" Ein fröhliches "Guten Morgen" an der Bushaltestelle eröffnet leicht das Gespräch: "Entschuldigung, war die Linie 12 schon da?". Nachdem man die erste Scheu überwunden hat, fällt der kleine Dialog zunehmend leichter. Warum sollten nur junge Mütter und Hundebesitzer miteinander ins Gespräch kommen? Auch sonst lassen sich kleine Gemeinsamkeiten finden, die einen netten Dialog nach sich ziehen. Sie werden sehen, wie schnell sich Ihr subjektives "Klimagefühl" ändert - selbst wenn ein Nieselregen auf die Köpfe fällt. Die besten Anlässe, um das Gespräch mit Fremden zu üben, sind Betriebsfeiern und Gartenpartys. Schon beim Bekanntmachen fängt es an. "Hallo, ich bin ... und arbeite mit ... (Gastgeber) in der gleichen Bank." Oder "Guten Tag, ich heiße ... und kenne hier noch niemanden. Geht es Ihnen auch so?" Sie werden sehen, wie schnell Sie im Gespräch sind. Allerdings gibt es auch beim Small-Talk unter Fremden einige Tabus, die Sie nicht brechen sollten. Dazu zählen Krankheitsgeschichten, Fragen nach Religion und Beruf oder privaten Details. Auch die oft gestellte Frage "Haben Sie Kinder" gehört nicht ins erste Kontaktgespräch. Zumal die Gefahr, den anderen zu verletzten oder vor den Kopf zu stoßen, recht groß ist. Erzählt Ihr Gesprächspartner dagegen von sich aus von seinen Kindern, können Sie gerne darauf eingehen. Grundsätzlich sollten Sie beim Small-Talk unverfängliche Themen aus dem Bereich Urlaub und Kultur bevorzugen oder über kleine Alltagserfahrungen sprechen. Und denken Sie dabei an die schöne Tugend, nicht nur selbst zu reden, sondern auch dem Anderen bewußt zuzuhören. Auf diese Art lernen Sie Ihr Gegenüber schnell kennen und erleben ein bereichernde Unterhaltung, die über die "kleine" Gesprächsebene hinausgeht. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 9
"Vom Sie zum Du" Im Zeitalter der Gleichberechtigung können sich beide Geschlechter das freundschaftliche "Du" anbieten. Wenn ein großer Altersunterschied besteht, sollte der Jüngere grundsätzlich abwarten. In diesem Fall ist unter Umständen auch eine Zwischenstufe angebracht: "Vorname und Sie". Ohne Frage sollten Verheiratete vorab gemeinsam besprechen, wem Sie das "Du" anbieten. Es ist ausgesprochene schwierig, wenn ein Partner mit derselben Person per "Sie", der andere aber "Duz-Freund" ist. Fingerspitzengefühl ist auch zwischen den Eltern und den Freunden ihrer Kinder angebracht. Einen 16jährigen Freund Ihres Sohnes, der regelmäßig zu Besuch kommt, können Sie jederzeit fragen "Darf ich Markus zu Ihnen sagen?" Normalerweise wird er diesen Wunsch nicht abschlagen und nach einiger Zeit Ihnen sogar anbieten "Frau Heil, Sie können mich gerne duzen. Ich bin da nicht so." Wenn sich zwischen Ihrer Tochter und deren Freund dagegen ein festes Verhältnis anbahnt, sollten Sie sich mehr zurückhalten. Gerade junge Männer fühlen sich durch zuviel "Familiennähe" bedrängt, sie fürchten, schon vor der Verlobung "fest eingeplant" zu werden und ziehen sich deshalb manchmal zurück. Im Büro sollte es selbstverständlich sein, daß Sie bei einem Kollegen, mit dem Sie privat auf "Du" umgestiegen sind, auch beruflich dabei bleiben und nicht wegen der Kollegen wieder auf "Sie" umschalten. Gerade im kollegialen Verhältnis und auch zwischen Chef und Mitarbeiter sollten beide Seiten vorher gründlich prüfen, ob Sie auf Dauer per "Du" sein wollen. Ein Rückgängigmachen ist nicht üblich. Und falls Sie nach einer feuchtfröhlichen Betriebsfeier morgens den (unbewußten) Schritt bedauern, sollten Sie feinfühlig auf den Kollegen zugehen und sensibel vorschlagen "Gestern war Fete, heute ist wieder Alltag - wie wär´s, wenn wir auch weiterhin beim "Sie" bleiben...?" Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 10
"Taktgefühl im Alltag" Seit Ritter Kunibert das nette Burgfräulein auf seiner rechten Seite gehen ließ, um sie vor den mittelalterlichen Gefahren zu bewahren, gehen auch die Kavaliere unserer Tage links von ihrer Dame. Da der heutige Mann von Welt auf seiner linken Seite statt dem Schwert höchstens noch einen Regenschirm trägt, wurde auch die Regel von der "Ehrenseite" erweitert. Demnach geht der Mann auf einem Gehweg grundsätzlich auf der Straßenseite, um seine Partnerin- zumindest symbolisch- vor den Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen. Gerade bei Engpässen weicht er auf die Straße aus, während sie weiterhin auf dem Trottoir promenieren kann. Und falls es regnet, trägt der Mann den Schirm, während sie sich bei ihm einhakt. Wenn Sie mit Ihrer Ehefrau und deren Mutter unterwegs sind, gilt diese Regel ebenfalls. Nur in der Fußgängerzone oder auf einer breiten Promenade nehmen die Damen den Herrn in die Mitte. Sollte es dabei zu "Engpässen" kommen, geht der Mann schützend voran. Auch auf der Treppe haben sich die Umgangsformen gewandelt. Die alte Regel "Der Mann geht eine Stufe voran, damit er der Dame nicht unter den Rock sieht" wurde im Zeitalter der Jeans aufgehoben. Heute gilt das Gefahren-Prinzip: Die Frau geht eine Stufe vor dem Mann nach oben, damit er sie bei einem Ausrutscher halten kann. Voraussetzung ist natürlich, daß der Mann ihr aufmerksam folgt, um im Falle eines Falles schnell helfen zu können. Aus diesem Grund geht der Herr auch beim Abstieg voran, damit sich die Dame notfalls auf seiner Schulter abstützen kann. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 11
"Öffentliche Verkehrsmittel" Ob im Zug, der Straßenbahn oder dem Omnibus - grundsätzlich läßt der Mann beim Einsteigen der Frau den Vortritt. Dabei ist es unerheblich, ob es seine Ehefrau oder eine fremde Dame ist. Auch in der Hauptverkehrszeit kann man immer noch nette Männer beobachten, die einer älteren Dame ihren Sitzplatz anbieten. Unter jüngeren Berufstätigen und Gleichaltrigen gilt die Regel "Er macht ihr Platz" heute nicht mehr. Gerade im täglichen Berufsverkehr wird die Gleichberechtigung auch bei der Stehplatz-Vergabe sichtbar. Trotzdem sollte es selbstverständlich sein, daß ein jüngerer Mann und auch eine junge Frau aufstehen, um einem gebrechlichen oder wesentlich älteren Fahrgast den Platz anzubieten. Ein sensibles Thema ist nach wie vor der Kontakt mit Behinderten in der Öffentlichkeit. Viele sind unsicher, wie sie in alltäglichen Situationen mit behinderten Menschen umgehen sollen. Wir selbst haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Begegnungen so normal wie möglich zu gestalten. Mitleidige Blicke oder Worte helfen Behinderten nicht weiter. Doch mit etwas Aufmerksamkeit und praktischer Hilfe können wir viel zu ihrer Integration beitragen. Sicher gehört etwas Courage dazu, einem Rollstuhlfahrer, der alleine in sein Auto einsteigen will, Hilfe anzubieten. Aber Sie werden erleben, wie einfach es nach der ersten Überwindung fällt, mit ein,zwei Handgriffen dem anderen zu helfen. Und wenn jemand mit Krücken eine Bahnhofstreppe erklimmen will, sollten Sie sich ebenfalls nicht scheuen, einfach zu fragen "Kann ich Ihnen behilflich sein?" Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg
Knigge-Tipp Nr. 12
"Auf gute Nachbarschaft" Eine freundliche Nachbarin oder ein hilfsbereiter Nachbar sind Gold wert, nicht nur in Urlaubszeiten. Auch sonst sollten Sie eine gute Beziehung nach "nebenan" ganz bewußt pflegen. Denn ein gutes Verhältnis zahlt sich nicht nur in Krisenzeiten oder besonderen Situationen aus. Der erste Kontakt ergibt sich oft zufällig im Treppenhaus. "Guten Tag, ich bin Martin Schramm. Wir sind gestern im ersten Stock eingezogen." Bei Ihren direkten Wohnungsnachbarn können Sie einfach klingeln und sich kurz vorstellen oder eine kleine Notiz im Briefkasten hinterlassen "Wir sind als Mieter nebenan eingezogen und würden uns gern mit Ihnen bekannt machen. Bitte geben Sie uns doch Nachricht, wann wir uns kurz bei Ihnen vorstellen können. Mit freundlichen Grüßen - Ihre neuen Nachbarn ... (Vor- und Nachname). Etwas verbindlicher ist eine schriftliche Einladung an Ihre Nachbarn "Wir sind neben Ihnen eingezogen und würden Sie gerne einmal persönlich kennenlernen. Deshalb möchten wir Sie gerne zum Kaffeetrinken (oder ähnlichem) am ... in der Zeit von .. bis .. einladen." Alternativ können Sie auch in die Kneipe am Eck oder in das neue Café vis-a-vis einladen. Gute Nachbarschaft muß in der Stadt wie auf dem Land gepflegt werden. Bieten Sie dem Nachbarn von sich aus Ihre Hilfe an: "Ich weiß, daß Sie berufstätig sind. Wenn Sie möchten, nehme ich gerne mal Pakete für Sie an - mit Ausnahme von Nachnahmesendungen." Sie können gerne auch in Urlaubszeiten anbieten, nach den Blumen oder dem Briefkasten zu sehen. Auf dieser freundlichen Basis sind Ihre Nachbarn sicher auch gerne bereit, mal am Wochenende mit einem Päckchen Mehl oder bei Grippe mit einer Besorgung aus der Apotheke zu helfen. Ein positives Verhältnis zur Nachbarschaft zeigt sich auch bei Feierlichkeiten. Am besten informieren Sie Ihre Umgebung vorab schon mal prophylaktisch: "Am Wochenende planen wir ein Fest mit einigen Gästen. Wir hoffen, daß Sie nicht sonderlich gestört werden." Oder "Unsere kleine Tochter bekommt zur Zeit ihre Zähne. Hoffentlich werden Sie durch ihr Weinen nachts nicht vom Schlafen abgehalten." Wenn Sie auf diese Weise vorbauen, vermeiden Sie Ärger und Streit mit Ihrer Umgebung, selbst dann, wenn sich Ihre Nachbarn insgeheim schon aufgeregt hatten. Im übrigen sagt ein kleiner Blumenstrauß oder zwei Stücke von Ihrem selbstgebackenen Kuchen oft mehr als tausend Worte. Mehr zum Thema Umgangsformen und praktischen Knigge-Seminaren finden Sie unter www.knigge-training.de. © Rainer Wälde, TYP Akademie Limburg |
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