Meine ersten 100 Tage bei heine – Interview mit Maximilian Lang

24. Juli 2018

Interview mit Maximilian Lang – Geschäftsführer bei heine

Hallo Maximilian. Mitte April hattest du deinen ersten Arbeitstag bei heine. Welches Wort beschreibt deine ersten 100 Tage bei heine am besten?

„Wohlfühlen. Die Firma ist geprägt von der Kultur sich wohlzufühlen. Die Menschen sind unheimlich nett und angenehm und nehmen dich mit ihrer positiven Energie mit. Was ich toll finde ist, dass ich sehr viele Leute kennengelernt habe, die mir widerspiegeln, dass sie ihren Job lieben. Auch der Satz „Ich mag meine Kollegen“ ist etwas, das ich in den letzten Wochen oft gehört habe. Es herrscht ein großes Zugehörigkeitsgefühl und eine große Loyalität dem Unternehmen gegenüber. Das in dieser Ausprägung vorzufinden, gepaart mit diesem großen Enthusiasmus, hat mich wirklich beeindruckt.“


Wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorne. Was sind deine Pläne für die nächsten 100 Tage?

„In den ersten 100 Tagen habe ich sehr stark Fundamente und Leitplanken gesetzt und mich auf strategischer und konzeptioneller Ebene mit den Themen auseinandergesetzt. Die nächsten 100 Tage werden davon geprägt sein, dass wir in die Operationalisierung gehen, Dinge umsetzen und verändern. Es wird Dinge geben, bei denen wir relativ schnell ein Ergebnis sehen, beispielsweise wenn es um die Vermarktung geht. Demgegenüber gibt es Themen, wie das Sortiment, die erst in einem halben Jahr bis Jahr sichtbar werden, weil mit dem ersten Teil der Wertschöpfungskette gewisse Vorlaufzeiten einhergehen.“


Der Wettbewerb in der Modebranche wird immer härter. Wie ist deine Einschätzung dazu und was bedeutet das für heine?

„Der Wettbewerb wird immer dynamischer und innovativer. Deshalb benötigen wir Innovation im Produkt und operative Exzellenz, in der Kundenansprache und Orientierung und in unseren Prozessen. Das ist kein Selbstläufer. Deshalb ist es unabdingbar, dass wir unseren USP weiter schärfen und unsere Stärken noch besser ausspielen. Im hart umkämpften Fashionmarkt musst du mindestens eine Sache besser können als die anderen.“


Auch als Geschäftsführer muss man mal abschalten. Wie gelingt dir das am besten?

„Klar könnte ich jetzt sagen, ich mache Sport und treffe viele Freunde. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Thema viel mit Selbstreflektion zu tun hat. Mitarbeiter müssen sich im Klaren sein, ob sie das, was sie tun, gerne tun. Das klingt profan, ist letztendlich aber ganz entscheidend. Gehe ich jeden Morgen gerne zur Arbeit? Kann ich mir vorstellen, meinen Job die nächsten vierzig Jahre in ähnlicher Form weiterzuführen? Wenn das der Fall ist, beginnen für mich die Themen „Work“ und „Life“ ineinander überzugehen. Ich persönlich gehe jeden Tag gerne zu heine und damit lösen sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit auf.“


Du hattest bereits in jungen Jahren eine Affinität zum Thema Mode. Gab es auch einmal etwas anderes, das du werden wolltest?

„Ja, das gab es. Früher war ich in einer Schauspielgruppe und bin auf der Bühne gestanden. Ich habe mich dann aber doch für die Mode entschieden. Und ganz ehrlich, das waren die beiden einzigen Jobs, die mich interessiert haben. Ich wollte entweder Schauspieler oder Modedesigner werden. Nach dem Abitur habe ich eine Schneiderlehre gemacht und eine Modeschule besucht, und da merkte ich schnell, dass alle anderen deutlich kreativer waren und besser zeichnen konnten. Was sich aber relativ früh herausgestellt hat, war die Tatsache, dass ich derjenige war, der gesagt hat: Wir haben ein tolles Design. Wie kann ich damit Geld verdienen?“


Was war der beste Rat, den du in deiner Karriere erhalten hast?

„Ich habe einen Rat bekommen, der meine Denkweise verändert hat und den ich sehr beherzige. Er stammt von Prof. Dr. Werner, dem dm-Gründer, der mir mit einem Augenzwinkern Folgendes gesagt hatte: Herr Lang, ihre Position ist eigentlich nicht so wichtig. Die Position ihrer Bereichsleiter ist wichtig, aber auch nicht so wichtig. Die wichtigste Ebene, die sie hinter sich bringen müssen, sind die Personen, die jeden Tag im operativen Geschäft Entscheidungen treffen – sie sind ihr Rückgrat. Das sind diejenigen Mitarbeiter, die mitten im Alltagsgeschäft stehen und jeden Tag über Gedeih und Verderb ihrer Firma entscheiden. Wie ich finde ein wunderbarer Rat, an dem ich mich gerne orientiere und der mich geprägt hat.“


Wie beschreibst du dein Führungsverständnis?

„Ich glaube an flache Hierarchien, direkte Kommunikation und schnelle Entscheidungen. An Eigenverantwortung und Unternehmertum. Ich arbeite agil und dynamisch. Ich behandele jeden Mitarbeiter gleich, habe keine Star-Allüren, dafür immer ein offenes Ohr. Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Statussymbole zu pflegen und uns stattdessen fragen, wie wir eine Firma voranbringen können.
Im Mittelpunkt steht für mich immer der Faktor Mensch. Viele Visionen, Strategien und Operationalisierungen sind genau daran gescheitert. Du wirst eine Firma nur dann zum Erfolg führen, wenn du die Leute hinter dir hast.“


Vielen Dank für das Interview, Maximilian.

Autorin:
Lena Grosshans
Personalmarketing und Entwicklung
Photography by Nils Walter Photography