Was macht eigentlich ein Nachhaltigkeitskoordinator bei heine?

4. Juni 2018

Interview mit Rolf Oepen – Nachhaltigkeitskoordinator bei heine

Hallo Rolf. Was macht denn nun eigentlich ein Nachhaltigkeitskoordinator bei heine?

„Die Aufgaben sind sehr vielfältig und das ist ja gerade das Spannende und Schöne an dem Thema. Schwerpunktmäßig sind es die Unterstützung der Bereiche bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele, das Zielerreichungsmonitoring, die Koordination aller nachhaltigkeitsrelevanten Themen, die Betreuung von Lieferanten zu Anforderungen aus der Otto Group, die Überwachung der Vollständigkeit von Sozial-Audits sowie die Information über aktuelle Nachhaltigkeitsthemen dem Haus bereitzustellen. Zudem bin ich oft in Hamburg, um mich in Arbeitskreisen mit den KollegInnen aus anderen Konzernunternehmen und der Otto Group auszutauschen und an neuen Strategien mitzuarbeiten.“


Welche Herausforderungen kommen dabei auf dich zu?

„Zum einen kann die Vielfalt herausfordernd werden, wenn Anfragen zu den unterschiedlichen Themen, wie z.B. zum Einsatz nachhaltiger Materialien und gleichzeitig zu Fragen zu chemischen Belangen, parallel erfolgen. Zum anderen bewegt man sich immer an den Schnittstellen von sozialer Verantwortung, Umweltschutz und wirtschaftlichen Anforderungen, deren Ziele auch durchaus konträr sind. Beispielsweise wenn wir vom Lieferanten verlangen, Audits durchzuführen, er diese bezahlen soll und wir dann aber parallel noch einen günstigeren Preis haben möchten.“


Wie wird Nachhaltigkeit bei heine gelebt und welche Ziele hat sich das Unternehmen gesetzt?

„Die Ziele bei heine richten sich nach der Konzernstrategie aus. Sprich, bis 2020 bei Baumwollartikeln der Eigenmarken nur nachhaltige Baumwolle zu verwenden oder bis 2025 nur FSC-zertifizierte Möbel anzubieten. Ebenso betrifft es die Reduzierung des CO2-Ausstoßes, hauptsächlich in der Beschaffung, aber auch am Standort in Karlsruhe sowie die Integration aller Lieferanten in das Sozialprogramm, die in Risikoländern produzieren lassen. Bei all diesen Zielen haben wir aktuell sehr gute Werte erreicht und sind im Konzern ganz vorne mit dabei. Es kommen natürlich immer neue Themen hinzu, die wir sukzessive integrieren werden.“


Warum ist es heute wichtiger denn je, als Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften?

„Ich denke, wir stehen aktuell vor einem signifikanten Wendepunkt. Ein „weiter so“ ist nicht mehr möglich. Wenn sich nichts ändert, haben wir z.B. 2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren. Auch beim CO2-Ausstoß: Ändern wir nichts, wird sich die Erde auf +8 Grad erwärmen. Viele Ressourcen können den steigenden Bedarf bald nicht mehr decken und dennoch wirtschaften wir z.T. so, als hätten wir mehrere Erden. Das Bewusstsein in der Bevölkerung nimmt angesichts der wahrnehmbaren Veränderungen immer weiter zu und hier werden diejenigen Unternehmen, die nachhaltiges Handeln in ihre Grundwerte aufnehmen, nicht nur einer Verantwortung gerecht, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil haben.“

Wie wird sichergestellt, dass heine nachhaltig handelt?

„Wir monitoren das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele monatlich und können anhand der Entwicklungen rechtzeitig sehen, wenn wir gegensteuern müssen. In einem Nachhaltigkeitsstandard tauschen wir uns im Category Management regelmäßig zu aktuellen Themen und Anforderungen aus. Zudem erfolgt über die Otto Group eine jährliche Abfrage wesentlicher Nachhaltigkeitskennzahlen, die auch in ihren Jahresbericht einfließen. Dass hier alles auf einer fundierten Basis beruht, wird von externen Wirtschaftsprüfern bei den Konzernfirmen geprüft. In diesem Jahr sind wir z.B. mit unseren Prozessen bei FSC und im Sozialprogramm geprüft worden und hatten als Ergebnis „keine Anmerkungen“, was einem Lob gleichkommt.“


Was wünschst du dir in puncto Nachhaltigkeit für die Zukunft?

„Dass immer mehr Firmen ihrer Verantwortung gerecht werden und der Maxime des ungebremsten Wachstums und Konsums durch nachhaltige Konzepte ein Gegengewicht gesetzt wird. Hier muss ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Interesse und sozialem Engagement sowie umweltgerechtem Handeln gefunden werden. Und dies über alle Grenzen hinweg – wir haben nur diese eine Erde. Dass auch Verbraucher bewusster konsumieren und der Preis nicht mehr das Argument ist, das alles schlägt. Ganz ehrlich, im Grunde ist nachhaltig nicht zu teuer, nicht-nachhaltig ist zu billig.“


Hast du Tipps, wie jeder Einzelne von uns einen Beitrag leisten kann?

„Das Wichtigste ist sicher, das Bewusstsein zu ändern, nicht wegzusehen und Alltägliches einfach mal zu hinterfragen, um Routinen zu verlassen. Wie viel Abfall produziere ich eigentlich in der Woche? Muss es der abgepackte Schinken sein, bei dem jede Scheibe nochmal mit Plastik abgetrennt ist? Kann ich auch mal etwas ausleihen oder tauschen? Man muss nicht gleich zum „Voll-Öko“ mutieren, sondern kann ganz einfach mit kleinen Dingen anfangen. Ich beziehe zum Beispiel meinen Strom von einem Ökostrom-Anbieter, habe ein Konto bei der GLS-Bank und lese gerne die Newsletter von Smarticular, um auf Ideen zu kommen.“


Vielen Dank für das Interview, Rolf.

Autorin:
Lena Grosshans
Personalmarketing und Entwicklung