Weihnachtsbräuche: So feiert man Weihnachten in anderen Ländern

von | 16. November 2017

Wie feiert man Weihnachten in anderen Ländern?

Weihnachten steht vor der Tür – bei uns ein Fest mit vielen Traditionen: der Adventskranz mit vier Kerzen, der geschmückte Weihnachtsbaum und die Bescherung an Heiligabend sind klassische Bräuche in Deutschland und werden nicht nur bei uns zuhause jedes Jahr aufs Neue mit viel Begeisterung gelebt. Aber wie sieht das im Rest der Welt aus? Wie wird Weihnachten in anderen Ländern gefeiert? Ich habe mich umgeschaut und nehme euch mit auf eine Reise zu den schönsten Weihnachtsbräuchen rund um den Globus…

Weihnachten in Großbritannien

Die Engländer lieben Weihnachten und kennen beim Dekorieren des Wohnzimmers und des Tisches kaum Grenzen. Viele bunte Luftschlangen, etliche Girlanden und Lametta und nicht selten auf den Tellern Tröten und Hütchen werden an Heiligabend (in England „Christmas Eve“) verteilt. Was bei uns eher an Karneval erinnern würde, empfinden die Briten als festliche Schmückung zu Weihnachten. Am Abend des 24.Dezember wird im Wohnzimmer dann noch ein Seil gespannt, an das leere Socken gehängt werden. Denn der englischen Tradition nach, kommt Father Christmas in der Nacht auf den 25. Dezember und packt Geschenke in die Socken. Bescherung ist dann erst  am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages, dem das traditionelle Weihnachtsmahl folgt. Oft wird Truthahn serviert und zum Dessert gibt es meist Plumpudding, eine Art Kuchen mit Rosinen und Nüssen. In diesem wird häufig eine Münze versteckt – und wer sie findet, darf sich etwas wünschen.

Plumpudding

Plumpudding – eine Art Kuchen mit Rosinen und Nüssen

Weihnachten in Schweden

In Schweden wird Weihnachten das Julfest genannt. Wie bei uns ist der Heilige Abend der wichtigste Tag der Weihnachtszeit, wobei ein weiteres sehr wichtiges Datum der 13. Dezember ist: das ist der Tag der Heiligen Lucia, deren Aufgabe es ist, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Heilige Lucia wird traditionell mit einem Kranz auf dem Kopf dargestellt, auf dem mehrere Kerzen befestigt sind. Hat eine Familie eine oder mehrere Töchter, wird der Ältesten von ihnen am 13. Dezember eine ehrenvolle Aufgabe zuteil. Sie darf als Heilige Lucia – gekleidet in einem weißen Kleid und mit besagtem Kranz auf dem Kopf – durch das Haus laufen und die Familienmitglieder wecken. An Heiligabend steht ein mit selbst gebastelten Strohpuppen und Gebäck behangener Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, und die Geschenke werden vom Jultomten, dem schwedischen Weihnachtsmann gebracht. Das traditionelle Festtagsessen ist ein schwedisches Buffet, das Julbord, bei dem neben zahlreichen kalten und warmen Speisen Köstlichkeiten wie der Julskinka, einem charakteristischen Weihnachtsschinken, gereicht werden. Eine außergewöhnliche Besonderheit der schwedischen Weihnachten zum Schluss: Heiligabend beginnt traditionell um 15 Uhr mit dem gemeinsamen Schauen eines Disney-Spezialprogramms, also Zeichentrickfilmen.

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Darstellung der Heiligen Lucia 

Weihnachten in Italien

Wie Weihnachten in Italien gefeiert wird, unterscheidet sich von Region zu Region. Allgemein gilt, dass man in Italien weder Advent noch Nikolaus kennt, das einzig wichtige Datum vor Weihnachten ist der 8. Dezember: ein Feiertag, denn Mariä Empfängnis soll an diesem Tag stattgefunden haben. Das ist auch der Tag, an dem traditionell der Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt wird. Heiligabend beginnt dann mit der Mitternachtsmesse vom 24. auf den 25. Dezember. In einigen Teilen Italiens werden die Geschenke vom Christkind Gesû Bambino am Morgen des 25. Dezember gebracht, auch Babbo Natale, eine Version des Weihnachtsmanns, hat sich in einigen Regionen durchgesetzt. Wo weder das Christkind noch der Weihnachtsmann kommen,  müssen sich die Kinder bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, gedulden. Spannend hierbei: Im Volksglauben hat sich der Brauch der Dreikönigshexe Befana als Geschenke-Bringerin durchgesetzt. Laut traditionellem Glauben ging sie in der Weihnachtsnacht zu spät los und verpasste daher den Stern, der sie zur Krippe hätte führen sollen. Seitdem irrt sie umher, um die Krippe zu finden. Sie rutscht durch die Kamine und hinterlässt Geschenke in einem bereitgestellten Schuh oder einer Socke. Das tut sie, so sagt man, weil sie in jedem Haus das neugeborene Jesuskind vermutet.

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Dreikönigshexe Befana

Weihnachten in Polen

Vor der Feier an Heiligabend steht in Polen die Fastenzeit. Sie beginnt am ersten Advent und endet erst an Heiligabend, und zwar am Abend mit Erscheinen des ersten Sterns am Himmel. Im Mittelpunkt steht das Festmahl, das traditionell aus 12 Gerichten besteht, in Erinnerung an die 12 Apostel. Erwähnenswert hierbei: damit sich unerwarteter Besuch sofort willkommen fühlt, wird an Heiligabend immer ein Gedeck mehr aufgelegt als benötigt. Die Speisen sind mit Ausnahme von Fisch (meist Karpfen) alle vegetarisch und auf dem Tisch liegt bei jedem Gedeck eine Oblate. Oft sind diese Oblaten mit Bildern von Heiligen bedruckt. Bevor gegessen wird, teilt jeder seine Weihnachtsoblate mit den übrigen Anwesenden und Familienmitgliedern, wobei man sich gegenseitig die Erfüllung aller Wünsche ausspricht. Der polnischen Legende nach können in dieser Nacht Tiere zu den Menschen sprechen, weshalb in Familien mit Tieren auch mit diesen die Oblate geteilt wird. Allerdings verlangt es der Brauch, dass die mit Tieren geteilte Oblate – im Gegensatz zu der weißen Oblate, die die Menschen brechen – bunt sein muss. Erst nach dem oft Stunden andauernden Essen werden die Geschenke ausgepackt und gemeinsam gesungen. Anschließend geht die ganze Familie gemeinsam zur feierlichen Mitternachtsmesse, der Pasterka.

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Teilen einer Weihnachtsoblate

Weihnachten in Frankreich

Die Franzosen dekorieren ihr Haus oder ihre Wohnung oft mit Stechpalmenzweigen, die Erfolg für das kommende Jahr versprechen. In den meisten Haushalten stehen auch eine Weihnachtskrippe und ein Weihnachtsbaum, der sapin de Noel, der ebenso wie bei uns farbenroh geschmückt wird. In Frankreich bringt Père Noel die Geschenke, und zwar in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Er trägt ein langes, rotes Gewand mit Zipfelmütze und liefert seine Gaben in einem Korb auf dem Rücken. Die Kinder stellen Schuhe bereit, in die er die Geschenke platziert. Da die Franzosen allgemein als Gourmets bekannt sind, spielt bei ihnen auch das Festmahl eine große Rolle, welches Le Reveillon genannt wird. Geschlemmt wird am Abend des 24. Dezember, und ein traditionelles französisches Festtagsgericht ist der Dinde aux marons, ein mit Maronen garnierter Truthahn. Noch beliebter: ein Festmahl aus Austern, Pasteten, Truthahn und Champagner, serviert mit gezuckerten Maronen. Zum Dessert gibt es den so genannten bûche de Noel, den Weihnachtsbaumkuchen. Dieser geht zurück auf den Brauch, am Weihnachtsabend einen Baumstamm zu verbrennen. Das Verstreuen der Asche nach den Feiertagen sollte Glück und eine erfolgreiche Ernte verheißen. Am Morgen des 25. Dezember werden die von Pere Noel gebrachten Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt. Der 26. Dezember ist dann anders als bei uns kein Feiertag mehr in Frankreich.

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Französisches Festmahl – Dinde aux marons

Weihnachten in USA

In den USA wird Weihnachten häufig mit X-Mas abgekürzt. Entgegen vieler Annahmen ist das keineswegs nur eine modische Abkürzung, denn das X steht für den ersten griechischen Buchstaben des Wortes Christus. Der bekannteste amerikanische Weihnachtsmann ist Santa Clause, dessen rot-weiße Bekleidung aus Jacke und Hose durch eine große Werbekampagne von Coca-Cola ab den 1930er Jahren geprägt wurde. Dem Brauch nach wird Santa Clause von seinen Rentieren auf einem Schlitten durch die Lüfte getragen, und steigt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember durch die Schornsteine in die Häuser der Menschen. Auf diesem Weg gelangt er zu den Christmas Stockings, langen Strümpfen, die oft am Kamin oder Treppengeländer aufgehängt werden und in die er seine Gaben füllt. In dieser Nacht werden in vielen Häusern Milch und Kekse für Santa Clause, sowie Zuckerstückchen zur Stärkung seiner Rentiere bereitgestellt. Am Morgen des 25. Dezember wird dann beschert, danach folgt das Christmas Dinner, was meistens aus einem gefüllten Truthahn besteht. Ein weiterer Weihnachtsbrauch in den USA ist das Küssen unter dem Mistelzweig, der Ursprung dieses Brauchs ist jedoch nicht bekannt. Nicht unbedingt Tradition, aber durchaus typisch für Weihnachten in Amerika: das zum Teil übermäßige Schmücken der Zimmer und Häuser. Bunte Lichterketten, blinkende Rentiere und Weihnachtsmänner, Kunstschnee und Plastikbäume – viele Amerikaner mögen es bunt, schrill und pompös.

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Christmas Stockings – lange Socken am Kamin

Weihnachten in Russland

Weihnachten, wie wir es kennen, gibt es in Russland nicht. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Gregorianische Kalendersystem gilt, gibt es in Russland den Julianischen Kalender. Deshalb wird Weihnachten in Russland am 07. Januar gefeiert, was im Julianischen Kalender dem 25. Dezember entspricht. Heiligabend ist der Abend des 6. Januar, dem eine strenge 40tägige Fastenzeit vorausgeht. Sobald es Mitternacht schlägt, ist diese beendet und es folgen zum Weihnachtsfest ein ausgedehnter Gottesdienst und ein Festmahl. Geschenke gibt es allerdings nicht an Weihnachten, sondern eine Woche zuvor an Silvester. In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar kommt dem Volksglauben nach der russische Weihnachtsmann Väterchen Frost in Begleitung seiner Enkelin Schneeflocke auf einem Schlitten vorbei. Anders als in den USA wird dieser aber von Pferden gezogen, während Väterchen Frost optisch weitgehend der internationalen Vorstellung des Weihnachtsmannes gleicht: Ein kräftiger alter Mann mit einem roten oder blauen Pelzmantel. Besonders schön: dem Brauch nach sollen Mädchen in der Weihnachtsnacht bei Kerzenlicht in einen Spiegel schauen – man sagt, in dieser Nacht erscheine den Mädchen ihr zukünftiger Bräutigam im Spiegel.

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Väterchen Frost und Enkelin Schneeflocke

Frohe Weihnachten!

Vielleicht kennt ihr noch andere schöne oder interessante Bräuche weiterer Länder? Oder ihr habt selbst einmal fernab von Deutschland Weihnachten gefeiert? Dann schreibt mir gerne und berichtet von euren Erfahrungen. So spannend ich die Reise jedoch auch fand und finde, ich für meinen Teil freue mich auf einen traditionellen Heiligabend bei uns daheim und wünsche euch allen schon heute ein besinnliches Fest und frohe Weihnachten!


Stephanie

Stephanie

Stephanie mag alles, was ausgefallen und individuell ist. Mode in großen Größen und besondere Deko- & Wohnideen sind ihr Steckenpferd.

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